Zwei Netzbereiche, 116 Euro Unterschied
In keinem anderen Bundesland klaffen die Netzentgelte so weit auseinander wie hier. Außerhalb von Graz kostet die Netznutzung auf der Netzebene 7 einen Arbeitspreis von 8,82 Cent je Kilowattstunde, im Netzbereich Graz sind es 5,17 Cent. Das ist ein Aufschlag von knapp 71 Prozent auf dieselbe Kilowattstunde, geliefert über dieselben Leitungsarten und geregelt von derselben Behörde.
Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden im Jahr stehen am Ende 403,26 Euro Netzkosten im Landesgebiet und 286,78 Euro im Netzbereich Graz. Die 116,48 Euro Unterschied hängen weder am Verbrauch noch am Stromanbieter, sondern allein an der Adresse. In der Reihung weiter unten liegt Graz auf Platz 2 von 13 Netzbereichen, das übrige Land auf Platz 12.
Dahinter steckt die Geografie. Ein Stadtnetz verteilt seine Kosten auf sehr viele Zählpunkte je Leitungskilometer, ein Flächennetz vom Murtal bis in die Obersteiermark auf wenige. Wie ein Netzentgelt überhaupt zustande kommt, steht in unserem Beitrag Was ist ein Netzentgelt.
Eine Grazer Adresse bedeutet nicht automatisch den Netzbereich Graz
Den Netzbereich Graz bespielt die Stromnetz Graz GmbH & Co KG, eine hundertprozentige Tochter der Energie Graz, die wiederum zu 51 Prozent der Holding Graz und zu 49 Prozent der Energie Steiermark gehört. Sie betreibt rund 3.500 Kilometer Leitungen für etwa 150.000 Kundinnen und Kunden und ist ausschließlich innerhalb der Stadtgrenze tätig.
Das Stadtgebiet deckt sie allerdings nicht lückenlos ab. In großen Teilen von Gösting und Andritz sowie in Teilen von Lend versorgt die E-Werk Gösting Stromversorgungs GmbH die Haushalte, dazu Thal, Stattegg, Weinitzen, Hitzendorf und Rohrbach-Steinberg, insgesamt rund 72 Quadratkilometer mit über 20.000 Kundinnen und Kunden. Auf ihrem Preisblatt mit Gültigkeit ab 1. Jänner 2026 ist als Netzbereich Steiermark eingetragen, mit 10,58 Cent je Kilowattstunde inklusive Umsatzsteuer. Das sind genau die 8,82 Cent des Flächentarifs. Wer in Gösting wohnt, hat eine Grazer Postleitzahl und den Preis des Umlands.
Prüfen Sie den Arbeitspreis, nicht die Postleitzahl. Auf Ihrer Abrechnung steht der verrechnete Ansatz für die Netznutzung. 8,82 Cent netto oder 10,58 Cent brutto bedeuten Netzbereich Steiermark, 5,17 netto oder 6,20 brutto bedeuten Netzbereich Graz. Weicht der Betrag von beiden ab, gehört die Abrechnung angesehen. Wie das geht, steht unter Stromrechnung prüfen.
Viele Netzbetreiber, ein Preis
Der Tarif hängt am Netzbereich und nicht am Unternehmen, das die Rechnung schreibt. Im Netzbereich Steiermark sind neben der Energienetze Steiermark GmbH auch die Feistritzwerke und die Stadtwerke von Kapfenberg, Mürzzuschlag, Voitsberg, Judenburg, Köflach, Bruck an der Mur und Hartberg tätig, dazu das erwähnte E-Werk Gösting. Sie alle verrechnen dieselben verordneten Ansätze und gleichen die Unterschiede untereinander über Zahlungen aus, die in der Verordnung namentlich aufgelistet sind.
Die Energienetze Steiermark GmbH selbst gehört zur Energie Steiermark AG und betreibt mehr als 32.000 Kilometer Stromleitungen sowie rund 4.200 Kilometer Gasleitungen für etwa eine halbe Million Kundinnen und Kunden. Ein Wechsel zu einem der kleineren Betreiber im selben Netzbereich würde am Preis nichts ändern und ist ohnehin nicht vorgesehen.
Seit 1. April 2026 gibt es im Netz keinen Nachtstrom mehr
Die Steiermark und Graz gehörten zu den vier Netzbereichen, in denen für Haushalte ohne Leistungsmessung noch ein Doppeltarif verordnet war, also getrennte Preise für Tag und Nacht. Bis 31. März 2026 galten im Netzbereich Steiermark 9,25 Cent zwischen 6 und 22 Uhr und 8,30 Cent in der Nacht, in Graz 5,25 und 4,85 Cent. Mit Ablauf dieses Tages sind die Ansätze außer Kraft getreten, seither wird auch für Doppeltarifzähler der Einheitstarif verrechnet.
Unterm Strich ist Nachtstrom im Netzbereich Steiermark damit um 0,52 Cent je Kilowattstunde teurer geworden und Tagstrom um 0,43 Cent billiger. Bei 1.000 Kilowattstunden, die in der Nacht anfallen, macht das 5,20 Euro mehr im Jahr. In Graz sind es 0,32 Cent Aufschlag in der Nacht und 0,08 Cent Nachlass am Tag. Haushalte mit Nachtspeicherofen oder Nachtboiler trifft die Umstellung, während die Ersparnis nun in der Mittagszeit liegt: Von 1. April bis 30. September gilt zwischen 10 und 16 Uhr der Sommer-Nieder-Arbeitspreis von 7,06 statt 8,82 Cent, in Graz 4,14 statt 5,17 Cent. Voraussetzung dafür ist, dass Ihr Zähler viertelstundenscharf misst und der Netzbetreiber die Werte ausliest, wie es unter Viertelstundenwerte beschrieben ist.
Warum eine Energiegemeinschaft außerhalb von Graz mehr bringt
Der Rabatt für Teilnehmer einer Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft ist in Prozent festgelegt, und er wirkt deshalb dort am stärksten, wo der Arbeitspreis hoch ist. Im Netzbereich Steiermark sinkt er im Lokalbereich von 8,82 auf 3,79 Cent, das sind gut 50 Euro je 1.000 zugeordneter Kilowattstunden. Im Netzbereich Graz geht es von 5,17 auf 2,22 Cent, also rund 30 Euro. Der ländliche Raum holt sich mit diesem Hebel einen guten Teil seines Nachteils zurück.
Beispiele gibt es in der Steiermark einige, etwa die EEG Premstätten als privat gegründeten Verein, die Energiegemeinschaft Südsteiermark oder die BEG Steiermark Plus. Kostenlose Auskunft gibt die Steirische Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften bei der Energie Agentur Steiermark, erreichbar montags und mittwochs von 13 bis 16 Uhr. Was ein Beitritt konkret voraussetzt, steht unter Energiegemeinschaft beitreten. Mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz, das am 1. Oktober 2026 in Kraft tritt, kommen weitere Modelle dazu; wie sich die Entgelte dabei genau verhalten, ist noch nicht in allen Punkten geklärt.
Beim Gas geht es 2026 in die andere Richtung
Während sich beim Stromnetz in der Steiermark heuer wenig bewegt hat, sind die Gasnetzentgelte zum 1. Jänner 2026 um 27,7 Prozent gestiegen, bei einem österreichweiten Schnitt von 18,2 Prozent. Für Gas gilt eine eigene Verordnung, die Zonen folgt und nicht den Netzbereichen des Stroms. Wer beides bezieht, sollte sich die zwei Rechnungen im selben Durchgang ansehen, weil die Fehler erfahrungsgemäß an den Übergängen sitzen. Einen Überblick über alle Ansätze bietet die Seite Netzkosten senken.