Ein Netzbereich für die ganze Stadt — das ist die Ausnahme
Wien gehört zu den vier Bundesländern, in denen es beim Netz nur eine Antwort gibt. Zwischen Favoriten und Floridsdorf, zwischen Gemeindebau und Villengegend gilt derselbe Preis, abgerechnet von den WIENER NETZE GmbH aus dem Konzern der Wiener Stadtwerke. In der Steiermark, in Kärnten, in Oberösterreich, in Tirol und in Vorarlberg ist das anders: Dort gibt es je zwei Netzbereiche mit teils deutlich verschiedenen Preisen, und die Landeshauptstadt rechnet eigene Ansätze.
Für Wien heißt das: Wer hier wohnt, muss nicht herausfinden, in welchem Netzbereich die eigene Adresse liegt. Die Zahl auf dieser Seite gilt für jeden Zählpunkt der Stadt.
Warum Wien beim Netzverlustentgelt an der Spitze steht
Bei der Netznutzung liegt Wien mit 6,98 Cent je Kilowattstunde im Mittelfeld — günstiger als Niederösterreich, die Steiermark und Kärnten, teurer als Vorarlberg, Linz und Graz. Bei einer einzelnen Position ist die Stadt allerdings österreichischer Spitzenreiter, und zwar beim Netzverlustentgelt.
Dieser Posten deckt den Strom ab, der auf dem Weg durch Leitungen, Umspanner und Trafostationen als Wärme verloren geht. Der Netzbetreiber muss diese Menge am Markt zukaufen und legt die Kosten auf alle Zählpunkte um. Wien verrechnet dafür 0,700 Cent je Kilowattstunde. Zum Vergleich: In Tirol sind es 0,293 Cent, im Burgenland 0,000 Cent. Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden macht der Unterschied zwischen Wien und dem Burgenland allein bei dieser einen Zeile 24,50 Euro im Jahr aus.
Ein hoher Einzelposten heißt nicht automatisch eine hohe Rechnung. Das Burgenland verrechnet null Cent Netzverlustentgelt und liegt trotzdem teurer als Wien, weil dort der Arbeitspreis mit 8,46 Cent deutlich höher ist. Wer Netzkosten vergleicht, muss alle vier Positionen zusammenzählen — genau das tut die Tabelle weiter unten.
Wo die Netzkosten auf Ihrer Wiener Stromrechnung stehen
In Wien bekommen die meisten Haushalte eine gemeinsame Rechnung, auf der Energiepreis und Netzkosten untereinander stehen. Der Netzblock ist der Teil, den Ihr Stromanbieter nur durchreicht — er verdient daran nichts und kann daran nichts ändern. Suchen Sie auf der Jahresabrechnung nach diesen Bezeichnungen:
- Netznutzungsentgelt — der Arbeitspreis je Kilowattstunde plus die Pauschale, zusammen der größte Brocken
- Netzverlustentgelt — in Wien der höchste Satz Österreichs
- Entgelt für Messleistungen — die Zählermiete, gedeckelt mit 2,40 Euro im Monat
- Elektrizitätsabgabe und Umsatzsteuer — Steuern, keine Netzkosten, auch wenn sie oft im selben Block stehen
Wer eine getrennte Netzrechnung bekommt, findet dort dieselben Positionen. Die Zahlen müssen zu den Ansätzen der Verordnung passen — und genau das prüfen wir Zeile für Zeile.
2026 sind die Wiener Netzentgelte gesunken — und trotzdem zahlen Sie mehr
Das ist die Wiener Besonderheit des Jahres, und sie geht in der Berichterstattung über steigende Netzkosten unter. Der Arbeitspreis für die Netznutzung ist zum 1. Jänner 2026 von 7,40 auf 6,98 Cent je Kilowattstunde gefallen, also um 5,7 Prozent. Gleichzeitig stieg die leistungsbezogene Pauschale von 48 auf 54 Euro im Jahr. Unterm Strich zahlt ein Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden 8,70 Euro netto weniger als im Vorjahr.
Die Wiener Netze rechnen dasselbe für einen kleineren Haushalt vor: Bei rund 2.000 Kilowattstunden im Jahr sind es 2,40 Euro netto Ersparnis. Wer die verordneten Ansätze beider Jahre nebeneinanderlegt, kommt auf denselben Betrag — die Angabe stimmt auf den Cent.
Nur landet diese Entlastung nicht auf Ihrer Rechnung. Die Stadt Wien hat die Gebrauchsabgabe auf Strom und Gas mit 1. März 2026 von sechs auf sieben Prozent erhöht. Sie wird auf Netz- und Energiepreis zusammen gerechnet, und ein Prozentpunkt darauf liegt bei einem durchschnittlichen Haushalt in derselben Größenordnung wie die eingesparten 8,70 Euro. Zwei Bewegungen in entgegengesetzte Richtungen, beide auf demselben Beleg, und keine davon steht in der Überschrift.
Beim Messentgelt bleibt Wien unter dem erlaubten Höchstpreis. § 10 Abs. 1 SNE-V erlaubt für eine Drehstromzählung 2,40 Euro im Monat. Die Wiener Netze verrechnen laut Preisblatt 2,18 Euro, also 26,16 statt 28,80 Euro im Jahr. Das ist ein kleiner Betrag, aber es zeigt, dass sich der Blick auf diese Zeile lohnt: Andere Netzbetreiber schöpfen den Rahmen voll aus, und was auf Ihrer Rechnung steht, muss ohnehin zum Preisblatt passen.
Wie groß dieses Netz ist
Die Wiener Netze GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Wiener Stadtwerke und damit mittelbar im Eigentum der Stadt. Sie führt rund 21.100 Kilometer Stromleitungen, 47 Umspannwerke und 11.000 Trafostationen, dazu 4.600 Kilometer Gasleitungen, 1.300 Kilometer Fernwärme und 3.000 Kilometer Glasfaser. An diesem Netz hängen etwa 1,6 Millionen Stromzähler und 560.000 Gaszähler; versorgt werden über zwei Millionen Menschen und 200.000 Betriebe in Wien sowie in Teilen Niederösterreichs und des Burgenlands.
Das Unternehmen nennt für die Jahre 2025 bis 2029 ein Investitionsprogramm von 2,2 Milliarden Euro. Diese Summen sind der Grund, warum Netzentgelte überhaupt steigen: Der Ausbau wird nicht aus Gewinnen bezahlt, sondern über die Entgelte, und die Regulierungsbehörde erkennt die Kosten an oder eben nicht. Dass Wien 2026 gesunken ist, während der Österreichschnitt um 1,3 Prozent stieg, hat mit der Kosten- und Mengenentwicklung genau dieses Netzes zu tun und nicht mit einer politischen Entscheidung.
Für Sie als Kundin oder Kunde folgt daraus wenig Verhandelbares und ein klarer Auftrag: Die Höhe der Entgelte steht fest, die Frage ist, ob sie bei Ihnen richtig angewandt werden. Wie das im Detail geht, steht unter Stromrechnung prüfen.
Energiegemeinschaften in einer Stadt ohne eigene Dächer
In Wien lebt der überwiegende Teil der Haushalte zur Miete, meist ohne Zugriff auf ein Dach. Der Weg über die eigene Photovoltaikanlage fällt damit für die meisten aus — und genau deshalb ist die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft hier interessanter als am Land. Sie erlaubt, Strom aus einer Anlage in der Nähe zu beziehen, über das öffentliche Netz, mit einem gesetzlich festgelegten Rabatt auf den Arbeitspreis.
In der Praxis heißt das in Wien: Anlagen auf Schuldächern, auf Hallen von Betrieben, auf Gemeindebauten oder auf dem Nachbarhaus. Liegt die Anlage im selben Niederspannungsstrang wie Ihr Zählpunkt, gilt der Lokalbereich mit 57 Prozent Rabatt. Liegt sie weiter weg, aber unter derselben Umspannebene, sind es 28 Prozent. Beides gilt ausschließlich für den Anteil des Verbrauchs, der tatsächlich aus der Gemeinschaft zugeordnet wird.
Wer im eigenen Haus eine Anlage hat, ist dagegen bei der gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage richtig: Sie bleibt hinter dem Hausanschluss, verwendet kein öffentliches Netz — und hat deshalb auch keinen Netzentgelt-Rabatt, weil gar keine Netzentgelte anfallen. Was für Ihr Haus passt, hängt an der Verkabelung, nicht am Wunsch.