Zwei Netzbereiche, und die Grenze ist nicht die Stadtgrenze
Oberösterreich gehört zu den fünf Bundesländern, in denen die Verordnung zwei Netzbereiche kennt. Im größeren rechnet die Netz Oberösterreich GmbH ab, eine hundertprozentige Tochter der Energie AG Oberösterreich, die nach eigenen Angaben rund 640.000 Zählpunkte in mehr als 360 Gemeinden versorgt. Der zweite Bereich heißt Netzbereich Linz; dort verrechnet die LINZ NETZ GmbH aus der LINZ AG. Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden liegen zwischen den beiden 26,87 Euro im Jahr, also 321,43 gegenüber 294,56 Euro. Beide Bereiche liegen im günstigen Drittel Österreichs, Linz auf Platz 3 und Oberösterreich auf Platz 4 von dreizehn verglichenen Netzbereichen.
Der Name des Bereichs führt dabei in die Irre. Das Stromverteilernetz der LINZ NETZ umfasst laut Unternehmen die Stadt Linz und 82 Umlandgemeinden auf 1.646 Quadratkilometern und reicht damit weit ins östliche Mühlviertel hinein. Steyregg, Puchenau, Altenberg, Lichtenberg, Kirchschlag und Hellmonsödt liegen zur Gänze in diesem Netzgebiet. Bei anderen Gemeinden gehört nur ein Teil des Ortsgebiets dazu, und es gibt umgekehrt Adressen knapp vor der Stadtgrenze, für die der Netzbereich Oberösterreich gilt. Nach dem Ortsschild kann man sich also nicht richten.
Woran Sie erkennen, welcher Satz für Sie gilt
Sie brauchen dafür keine Landkarte, sondern Ihre Netzabrechnung oder den Zähler. Drei Stellen geben die Antwort, und sie müssen zusammenpassen:
- Die Zählpunktbezeichnung. Beginnt sie mit AT003100, ist die LINZ NETZ GmbH zuständig; bei AT003000 ist es die Netz Oberösterreich GmbH. Die ersten acht Zeichen sind der Code des Netzbetreibers.
- Der Name im Netzblock. Auf der Rechnung steht, wer die Netznutzung verrechnet, auch dann, wenn Ihr Stromlieferant alles auf einem Beleg zusammenfasst und den Netzteil nur weiterreicht.
- Der Arbeitspreis selbst. 5,57 Cent je Kilowattstunde stehen für den Netzbereich Linz, 6,29 Cent für den Netzbereich Oberösterreich. Ein dritter Wert an dieser Stelle gehört geklärt.
Wenn Sie dabei unsicher werden, weil die Positionen auf Ihrer Rechnung anders heißen: Wir gehen sie mit Ihnen durch, siehe Stromrechnung prüfen.
Beim Anschluss dreht sich der Vorteil um. Das Netzbereitstellungsentgelt beträgt im Netzbereich Oberösterreich 208,00 Euro je Kilowatt, im Netzbereich Linz dagegen 226,63 Euro. Wer für eine Wärmepumpe oder eine Wallbox um 6 Kilowatt aufstockt, zahlt in Linz 1.359,78 Euro statt 1.248,00 Euro. Der laufende Vorteil von 26,87 Euro im Jahr braucht gut vier Jahre, um diese einmalige Differenz von 111,78 Euro wieder einzuholen.
Die beiden Netze hängen aneinander, und das steht in der Verordnung
Getrennte Preise bedeuten nicht getrennte Netze. In § 5 Abs. 3 der Systemnutzungsentgelte-Verordnung steht ein Satz, den außerhalb der Branche kaum jemand liest: Für die Netznutzung der Netzebene 3 in den Netzbereichen Oberösterreich und Linz hat die Netz Oberösterreich GmbH einen Jahresbetrag von 5.067.770 Euro an die Linz Netz GmbH zu leisten, in zwölf gleichen Monatsraten.
Diese Zeile beschreibt eine Wälzung von Kosten zwischen zwei Netzbetreibern, die auf der Hochspannungsebene gemeinsam wirtschaften. Für Sie als Haushalt ändert das nichts an der Rechnung, es erklärt aber, warum die beiden Sätze trotz gemeinsamer Infrastruktur unterschiedlich hoch ausfallen dürfen. Die Entgelte werden je Netzbereich aus den anerkannten Kosten dieses Bereichs errechnet, und Zahlungen zwischen den Betreibern sind Teil dieser Rechnung.
Warum das dichtere Netz billiger ist
Der Unterschied von 0,72 Cent je Kilowattstunde hat einen nüchternen Grund: Leitungslänge je Kunde. Die LINZ NETZ betreibt nach eigenen Angaben 8.592 Kilometer Leitung einschließlich der 110-kV-Ebene, dazu 29 Umspannwerke und 3.124 Trafostationen, und versorgt damit 290.788 Verbrauchs-Zählpunkte (Stand 30. September 2025). Das sind grob gerechnet 30 Meter Leitung je Zählpunkt. Für die Netz Oberösterreich werden rund 36.000 Kilometer Stromleitungen bei etwa 640.000 Zählpunkten angegeben, also ungefähr das Doppelte je Anschluss. Diese Zahlen stammen aus Unternehmensangaben und nicht aus einem geprüften Abschluss, die Größenordnung ist aber deutlich genug.
Ein Netz, das Mühlviertler Streusiedlungen und Innviertler Höfe anbindet, kostet je gelieferter Kilowattstunde schlicht mehr als eines im Linzer Ballungsraum. Bezahlt wird das über das Netzentgelt, und daran ändert kein Anbieterwechsel etwas. Was trotzdem geht, steht unter Fixkosten senken ohne Anbieterwechsel.
Energiegemeinschaften: 790 Stück, und ein dichtes Netz hilft
Nach dem EAG-Monitoringbericht der E-Control gab es im Juli 2025 in Oberösterreich rund 790 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften, österreichweit 3.868. Hinter Niederösterreich mit 958 ist das der zweithöchste Wert. Bekannte Beispiele sind die EEG Haunolding, die Ende 2021 als erste lokale Energiegemeinschaft im Netzgebiet der Netz Oberösterreich gegründet wurde, und die als Genossenschaft organisierte Energiegemeinschaft Gampern.
Für den Rabatt zählt nicht die Gemeindegrenze, sondern die Verkabelung. Hängen Erzeugung und Verbrauch am selben Niederspannungsabzweig, gilt der Lokalbereich mit 57 Prozent weniger Arbeitspreis, im Netzbereich Oberösterreich also 2,70 statt 6,29 Cent. Über dasselbe Umspannwerk sind es 28 Prozent, somit 4,53 Cent. Der Nachlass gilt ausschließlich für jene Menge, die tatsächlich aus der Gemeinschaft zugeordnet wird, nicht für den ganzen Jahresverbrauch. Wie ein Beitritt abläuft, steht unter Energiegemeinschaft beitreten.
Beraten lässt sich das beim OÖ Energiesparverband, der Anlaufstelle des Landes für dieses Thema. Eine eigene oberösterreichische Gründungsförderung gibt es derzeit nicht mehr, die frühere Initiative lief mit Ende 2022 aus. Für bestehende Energiegemeinschaften gab es heuer eine Bundesförderung: Die Förderaktion des Klima- und Energiefonds lief von 20. Jänner bis 16. Juli 2026 über die Kommunalkredit Public Consulting, mit 50 Prozent Fördersatz und höchstens 10.000 beziehungsweise 20.000 Euro netto je Gemeinschaft. Ob sie neu ausgeschrieben wird, war zuletzt offen.