Zwei Netzbetreiber, zwei Preise, ein Bundesland
Welcher Netzbetreiber Ihnen die Netzkosten verrechnet, entscheidet Ihre Adresse. Den weitaus größeren Teil Kärntens betreut die KNG-Kärnten Netz GmbH, eine Gesellschaft der Kelag. Sie nahm den Betrieb mit 1. Jänner 2005 auf, damals noch als KELAG Netz GmbH. Nach eigenen Angaben betreibt sie rund 19.000 Kilometer Stromnetz mit 7.541 Transformatorstationen und 50 Umspannwerken und versorgt rund 236.600 Kundinnen und Kunden mit Strom und Gas.
Der zweite Netzbereich heißt Klagenfurt und wird von der Energie Klagenfurt GmbH abgerechnet, einer Tochter der Stadtwerke Klagenfurt AG. Ihr Versorgungsgebiet umfasst laut Netzentwicklungsplan rund 129 Quadratkilometer: das Gemeindegebiet von Klagenfurt, die Kerngebiete von Ebenthal und Krumpendorf sowie kleinere Teile weiterer Nachbargemeinden. Darin liegen rund 2.000 Kilometer Leitung, davon 416 Kilometer Freileitung, und rund 62.000 Stromkundinnen und Stromkunden.
Auf der Jahresabrechnung erkennen Sie den Unterschied am Namen im Netzblock. Wer es genauer wissen will, sieht sich die Zählpunktnummer an: Nach dem Länderkürzel AT folgt die Kennung des Netzbetreibers, 007000 für die KNG-Kärnten Netz GmbH und 007100 für die Energie Klagenfurt GmbH. Der Name auf der Rechnung bleibt trotzdem die verlässlichere Probe. Wie die einzelnen Zeilen überhaupt zustande kommen, steht im Ratgeber zum Netzentgelt.
Warum das Kärntner Flächennetz das teuerste des Landes ist
Ein Teil der Antwort steht in der Verordnung selbst. § 5 Abs. 2 der Systemnutzungsentgelte-Verordnung verpflichtet einzelne Verteilernetzbetreiber zu einer jährlichen Zahlung an die Austrian Power Grid für die Nutzung der Netzebene 3. Die KNG-Kärnten Netz GmbH zahlt dort 9.899.090 Euro im Jahr, in zwölf gleichen monatlichen Teilbeträgen. Das ist mit Abstand der höchste Betrag aller dort genannten Netzbetreiber: Oberösterreich kommt auf 6.168.930 Euro, Wien auf 2.843.190 Euro, die Steiermark auf 1.518.350 Euro, Salzburg auf 1.516.010 Euro, und für Niederösterreich und Tirol steht in derselben Aufstellung null. Getragen wird der Posten am Ende über den Arbeitspreis.
Der zweite Teil hat mit Geografie zu tun. Rund 19.000 Kilometer Leitung auf rund 236.600 Anschlüsse ergeben grob 80 Meter Netz je Kundin oder Kunde, im Klagenfurter Stadtnetz sind es mit 2.000 Kilometern auf rund 62.000 Stromkunden etwa 32 Meter. Diese Rechnung ist unscharf, weil in der Kärntner Kundenzahl auch die Gaskunden stecken. Sie verschiebt sich dadurch aber nur in eine Richtung, und zwar in die des Arguments: Dasselbe Leitungsstück verteilt sich in einem Seitental auf weniger Zählpunkte als in der Klagenfurter Innenstadt.
Zur Ehrlichkeit gehört die andere Hälfte der Geschichte. Für 2026 hat die E-Control die Kärntner Stromnetzentgelte um 1,7 Prozent gesenkt, während sie österreichweit im Schnitt um rund 1,3 Prozent gestiegen sind. Teuer bleibt es dennoch, weil der Vorsprung für eine Senkung dieser Größenordnung zu groß war.
Der auffälligste Einzelposten ist selten der teuerste. Der Netzbereich Klagenfurt verrechnet mit 0,578 Cent je Kilowattstunde ein deutlich höheres Netzverlustentgelt als das Kärntner Flächennetz mit 0,368 Cent, kommt für denselben Haushalt aber um 89,60 Euro im Jahr günstiger heraus. Beim Arbeitspreis liegen 2,77 Cent dazwischen, und der wird mit jeder einzelnen Kilowattstunde multipliziert.
Beim Gas ging es 2026 in die andere Richtung
Während die Stromnetzentgelte leicht nachgegeben haben, sind die Gasnetzentgelte in Kärnten mit 1. Jänner 2026 um 35 Prozent gestiegen. Für einen Haushalt mit 15.000 Kilowattstunden Gasverbrauch bedeutet das rund 142 Euro zusätzlich im Jahr. Österreichweit liegt der Anstieg bei durchschnittlich 18,2 Prozent, Kärnten liegt also weit darüber. Für Gas gilt eine eigene Verordnung, die nach Zonen aufgebaut ist und nicht nach den Netzbereichen des Stroms. Wer beides bezieht, sollte die zwei Abrechnungen trotzdem gemeinsam durchsehen, weil die Fehler erfahrungsgemäß an den Übergängen sitzen. Wie das geht, steht unter Stromrechnung prüfen.
Energiegemeinschaften: in Kärnten längst gebaut
Der Rabatt für Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft wirkt dort am stärksten, wo der Arbeitspreis am höchsten ist, und das ist in Österreich der Netzbereich Kärnten. Wer hier 57 Prozent auf 9,67 Cent spart, spart je Kilowattstunde mehr als jemand in Vorarlberg, der dieselben 57 Prozent auf 4,96 Cent bekommt.
Angebote dafür gibt es bereits. Der Zusammenschluss BEG Kärnten führt zwölf regionale Gemeinschaften, davon sieben im Netzbereich Kärnten und fünf im Netzbereich Klagenfurt. Zu den Kärntner Zuschnitten gehören unter anderem Straßburg mit Gurk und Weitensfeld, Mölbling mit Guttaring, Friesach und Metnitz, Pörtschach mit Techelsberg und Velden sowie Völkermarkt mit dem Klopeiner See und Griffen; die Klagenfurter Gemeinschaften sind nach Stadtteilen geschnitten. Für die zwölf Monate bis Juni 2026 weist der Zusammenschluss österreichweit 606 Mitglieder mit 1.104 Zählpunkten aus und rund 2,0 Gigawattstunden Strom, die direkt in der Gemeinschaft geteilt wurden. Anmelde- oder Grundgebühren verlangt er nach eigenen Angaben keine.
An diesen Zuschnitten sieht man gut, worauf es ankommt: Sie folgen den Umspann- und Trafobereichen des Netzes und nicht den Gemeindegrenzen. Ob eine Gemeinschaft für Sie in Frage kommt, hängt daran, wo Ihr Zählpunkt elektrisch hängt. Der Weg hinein steht unter Energiegemeinschaft beitreten, die technische Vorbedingung unter Viertelstundenwerte freischalten.
Was Land und Bund heuer dazuzahlen
Das Land Kärnten hat seine Energieförderung mit 2026 auf Pauschalen umgestellt. Für eine neue private Photovoltaikanlage ab 5 Kilowatt Peak gibt es 3.000 Euro, allerdings nur bei gleichzeitiger Errichtung eines Stromspeichers mit mindestens 5 Kilowattstunden; die Nachrüstung eines Speichers zu einer bestehenden Anlage bringt 1.000 Euro. Zuständig ist die Abteilung 8 des Landes, eingereicht wird ausschließlich online über ktn.gv.at. Der erste Call lief von 15. April bis 30. Juni 2026; ob heuer noch einer aufgeht, steht auf der Seite des Landes und nicht hier.
Für bestehende Energiegemeinschaften gibt es zusätzlich Geld vom Bund. Die Kommunalkredit Public Consulting wickelt das Programm im Auftrag des Klima- und Energiefonds ab und fördert 50 Prozent der anerkennbaren Kosten, gedeckelt je nach Schwerpunkt mit 10.000 oder 20.000 Euro netto. Die laufende Einreichfrist nennt umweltfoerderung.at mit 30. September 2026, 12 Uhr. Antragsberechtigt sind nur Gemeinschaften, die bereits aktiv sind und eine Mindestzahl an Teilnehmern erreichen, nicht einzelne Haushalte.
Fördergeld ändert nichts an den Netzentgelten selbst, es senkt nur die Kosten der Anlage, mit der Sie ihnen ausweichen. Der Reihenfolge nach lohnen sich deshalb zuerst jene Schritte, die nichts kosten: die Prüfung der Abrechnung, die Freischaltung der Viertelstundenwerte und die Frage nach einer Gemeinschaft in Ihrem Netzabschnitt. Was daneben noch geht, steht unter Fixkosten senken ohne Anbieterwechsel.