Ein Netzbereich, 18.021 Quadratkilometer, 55.744 Kilometer Leitung
Niederösterreich hat beim Strom nur einen Netzbereich. Vom Waldviertel bis zur Buckligen Welt gilt derselbe Preisansatz, abgerechnet von der Netz Niederösterreich GmbH mit Sitz in Maria Enzersdorf, einer Tochter der EVN AG. Das erspart Ihnen die Suche danach, in welcher Preiszone Ihre Adresse liegt. Billiger macht es die Sache nicht: Mit 8,79 Cent je Kilowattstunde steht Niederösterreich auf Platz 11 von 13 Netzbereichen, teurer sind nur die Steiermark und Kärnten, letzteres um 32,88 Euro im Jahr.
Ein guter Teil der Erklärung steckt in der Geografie. Netz NÖ betreibt nach eigenen Angaben 55.744 Kilometer Stromleitungen auf einem Versorgungsgebiet von 18.021 Quadratkilometern und beliefert damit 843.045 Haushalte und Unternehmen. Das sind rund 66 Meter Leitung je Anschluss und knapp 47 Anschlüsse je Quadratkilometer. Masten, Trafostationen, Grabungen und Entstörungsdienste kosten in einem Flächenland dasselbe wie anderswo, nur verteilt sich der Aufwand auf deutlich weniger Zahlerinnen und Zahler. Energieexperte Walter Boltz hat das gegenüber dem ORF nüchtern so zusammengefasst: Niederösterreich sei ein sehr großes Flächenbundesland, deshalb komme das Netz tendenziell ein bisschen teurer.
Heuer um 6,9 Prozent hinauf, während anderswo gesenkt wurde
Zum 1. Jänner 2026 hat die E-Control die Systemnutzungsentgelte neu verordnet. Für Haushalte in ganz Österreich ergab das im Schnitt ein Plus von 1,3 Prozent, in mehreren Bundesländern sogar ein Minus: In Salzburg sanken die Stromnetzkosten um rund 9 Prozent, auch in Vorarlberg, Kärnten, Wien und der Steiermark ging es leicht nach unten. Niederösterreich liegt mit plus 6,9 Prozent klar darüber. Der stärkste Anstieg des Jahres war es nicht, im Burgenland waren es 15,9 Prozent und in Tirol 10,9 Prozent, aber es ist ein spürbarer Sprung in einem Jahr, in dem der Bundesschnitt beinahe stillstand.
Was hinter der Prozentzahl steckt, zeigt die Aufstellung weiter unten Zeile für Zeile: 307,65 Euro Arbeitspreis, 54 Euro Pauschale, 13,44 Euro Netzverlustentgelt und 26,16 Euro fürs Messen, zusammen 401,25 Euro im Jahr bei 3.500 Kilowattstunden. Energiepreis, Elektrizitätsabgabe und Umsatzsteuer kommen auf Ihrer Rechnung noch dazu. Wofür die einzelnen Positionen da sind und wer sie festlegt, steht ausführlich im Beitrag Netzentgelt erklärt.
Ein Detail zeigt, wie wenig der Arbeitspreis allein aussagt. Niederösterreich liegt mit 8,79 Cent knapp unter der Steiermark mit 8,82 Cent, in der Jahressumme dreht sich das aber um. Das Netzverlustentgelt beträgt hier 0,384 Cent und dort 0,336 Cent. Auf 3.500 Kilowattstunden bringt der niedrigere Arbeitspreis 1,05 Euro Vorteil, das höhere Verlustentgelt kostet 1,68 Euro, und es bleiben 63 Cent Rückstand.
Die Landesgrenze ist nicht die Netzgrenze
Netz NÖ versorgt nach eigenen Angaben auch einzelne Gemeinden in Oberösterreich und in der Steiermark. Umgekehrt reicht das Netz der Wiener Netze über die Stadtgrenze hinaus in Teile Niederösterreichs und des Burgenlands. Der Preis hängt an jenem Netz, durch das der Strom zu Ihnen kommt, und nicht daran, welches Landeswappen am Ortsschild steht. Für einen Haushalt an der Stadtgrenze macht das 52,29 Euro im Jahr aus, denn im Netzbereich Wien sind es 348,96 Euro statt 401,25 Euro.
Verlassen Sie sich beim Netzbereich nicht auf die Postleitzahl. Welcher Bereich für Ihren Zählpunkt gilt, steht auf der Netzabrechnung, meist in der Nähe der Zählpunktnummer. Wenn dort etwas anderes steht, als Sie erwartet hätten, ist das kein Fehler, sondern der Verlauf einer Netzgrenze, die manchmal mitten durch eine Ortschaft geht. Nachrechnen sollten Sie trotzdem, ob die verrechneten Ansätze zu diesem Bereich passen. Wie das geht, steht Schritt für Schritt unter Stromrechnung prüfen.
958 Energiegemeinschaften, mehr als in jedem anderen Bundesland
Der EAG-Monitoringbericht der E-Control weist mit Datenstand Juli 2025 österreichweit 3.868 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften aus. 958 davon liegen in Niederösterreich, das ist der höchste Wert aller Bundesländer, vor Oberösterreich mit 790. Wer beitreten will, muss hier also selten bei null anfangen. Beispiele finden sich querdurchs Land, etwa die EEG Guntramsdorf im Bezirk Mödling, das Energienetz Pfaffstätten im Bezirk Baden oder die EEG UnserStrom in den Bezirken Horn und Waidhofen an der Thaya.
Der finanzielle Hebel steckt in § 5 Abs. 1a der Systemnutzungsentgelte-Verordnung. Für jene Kilowattstunden, die Ihnen tatsächlich aus der Gemeinschaft zugeordnet werden, sinkt der Arbeitspreis im Lokalbereich um 57 Prozent, in Niederösterreich also von 8,79 auf 3,78 Cent. Wer 1.000 seiner 3.500 Kilowattstunden so bezieht, spart beim Netzentgelt gut 50 Euro im Jahr; für die restlichen 2.500 bleibt alles beim Alten. Im Regionalbereich, also unter derselben Umspannebene, sind es 28 Prozent und damit 6,33 Cent. Weil der Nachlass prozentuell wirkt, bringt er in einem teuren Netzbereich wie Niederösterreich mehr als in Vorarlberg oder Linz.
Voraussetzung ist in jedem Fall, dass Ihr Zähler viertelstündlich aufzeichnet und Netz NÖ die Werte ausliest, siehe Smart Meter und Viertelstundenwerte. Kostenlose Erstberatung zu Energiegemeinschaften bietet die Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ an. Der Klima- und Energiefonds des Bundes hat zuletzt im Programm Energiegemeinschaften 50 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen, gedeckelt mit 10.000 beziehungsweise 20.000 Euro netto je Projekt und vergeben nach Reihenfolge des Einlangens; die Einreichfrist dieses Calls endete am 16. Juli 2026. Ob und wann ein Nachfolgeprogramm aufgelegt wird, war zum Stand dieser Seite nicht bekannt. Wie ein Beitritt praktisch abläuft, steht unter Energiegemeinschaft beitreten.
Gas läuft beim selben Betreiber nach anderen Regeln
Netz NÖ betreibt neben dem Stromnetz auch 13.876 Kilometer Gasleitungen. Die Entgelte dafür stehen in einer eigenen Verordnung und folgen Zonen statt Netzbereichen, weshalb sie in der Rechnung auf dieser Seite nicht enthalten sind. Der Sprung fiel dort heuer weit größer aus als beim Strom: Zum 1. Jänner 2026 stiegen die Gasnetzentgelte in Niederösterreich laut ORF um 30,6 Prozent, österreichweit um 18,2 Prozent, was für einen Haushalt rund 100 Euro mehr im Jahr bedeutet. Die E-Control begründet das damit, dass weniger Gas verbraucht wurde, während die Kosten des Gasnetzes im Wesentlichen gleich geblieben sind.
Wer Strom und Gas vom selben Betreiber bezieht, hat damit zwei Rechnungsblöcke nach zwei verschiedenen Regelwerken vor sich. Wir sehen uns beide in einem Durchgang an, weil die Fehler erfahrungsgemäß dort sitzen, wo die Blöcke aneinanderstoßen. Was sich sonst noch senken lässt, ohne den Anbieter zu wechseln, steht unter Fixkosten senken ohne Anbieterwechsel.