Der günstigste Netzbereich Österreichs und wer ihn betreibt
Wer in Vorarlberg wohnt, zahlt für das Stromnetz weniger als alle anderen im Land. Der Arbeitspreis auf der Netzebene 7 liegt bei 4,96 Cent je Kilowattstunde, und für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden ergeben sich daraus 260,56 Euro Netzkosten im Jahr. Das ist Platz 1 von dreizehn Netzbereichen und 86,48 Euro weniger als der österreichische Mittelwert. In Kärnten zahlt derselbe Haushalt 434,13 Euro, also 173,58 Euro mehr.
Der zweite Vorteil steht in keiner Verordnungstabelle. Das Entgelt für Messleistungen ist nach § 10 Abs. 1 SNE-V mit 2,40 Euro im Monat gedeckelt, und die meisten Netzbetreiber verrechnen genau diesen Höchstpreis. Die vorarlberg netz nimmt für einen Standard-Drehstromzähler ohne Steuerfunktion 1,60 Euro. Über das Jahr sind das 19,20 statt 28,80 Euro, also weitere 9,60 Euro, die hier gar nicht erst anfallen. Mit Steuerfunktion sind es 2,60 Euro im Monat — auf Ihrer Abrechnung steht, welcher Fall zutrifft.
Abgerechnet wird das von der Vorarlberger Energienetze GmbH, die unter dem Namen vorarlberg netz auftritt und ihren Sitz in der Weidachstraße in Bregenz hat. Sie gehört überwiegend der illwerke vkw AG, die wiederum zu 95,0 Prozent direkt dem Land Vorarlberg gehört. Das Netz umfasst rund 11.000 Kilometer Leitung und versorgt etwa 200.000 Kundinnen und Kunden. Eine der vier Betriebsstellen liegt in Lindenberg auf deutschem Gebiet, was mit der Geografie des Landes zu tun hat und beim Kleinwalsertal gleich noch einmal wichtig wird.
In Feldkirch betreiben die Stadtwerke Feldkirch ein eigenes Verteilernetz, einen eigenen Netzbereich begründet das aber nicht: Die Verordnung kennt für Vorarlberg nur den Bereich Vorarlberg und den Sondernetzbereich Kleinwalsertal. In Feldkirch gelten deshalb dieselben 4,96 Cent wie in Bregenz oder Bludenz, auch wenn ein anderes Unternehmen auf der Rechnung steht.
Das Kleinwalsertal zahlt 17,73 Cent, weil der Strom über Deutschland kommt
Im selben Bundesland liegt der teuerste Netzbereich der ganzen Verordnung. Für das Kleinwalsertal sind 17,73 Cent je Kilowattstunde angesetzt, mehr als das Dreieinhalbfache des Vorarlberger Werts. Derselbe Musterhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden kommt damit auf 717,38 Euro im Jahr statt auf 260,56 Euro, ein Unterschied von 456,83 Euro und fast das Dreifache.
Der Grund liegt in der Landkarte. Das Kleinwalsertal ist von Österreich aus auf der Straße nicht erreichbar, man fährt über Oberstdorf im Allgäu hinein. Auch der Strom nimmt diesen Weg: Das Tal hängt am deutschen Netz, und die vorgelagerten Netzkosten, die dabei anfallen, wandern in den österreichischen Tarif. Die E-Control begründet die Höhe ausdrücklich damit und hat den Netzbereich Kleinwalsertal für 2026 stärker gesenkt als andere Bereiche, weil diese Kosten aus Deutschland zurückgegangen sind.
Betrieben wird das Netz von der Energieversorgung Kleinwalsertal GesmbH in Riezlern, an der auch das Allgäuer Überlandwerk beteiligt ist. Versorgt werden die vier Parzellen der Gemeinde Mittelberg, also Riezlern, Hirschegg, Mittelberg und Baad, seit 2017 dazu die Tiroler Gemeinde Jungholz. Nach dem Smart-Meter-Monitoring der E-Control geht es dabei um knapp 4.000 Zählpunkte; eine tagesaktuelle Zahl veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Ein hoher Tarif ist hier weder ein Rechenfehler noch ein Versäumnis des Netzbetreibers. Er bildet ab, was die Versorgung eines Tals kostet, das nur über ausländisches Gebiet an das Netz kommt. Verhandeln lässt sich daran nichts. Umso mehr zählt im Tal, was weiter unten unter den drei Ansätzen steht: Bei 17,73 Cent Ausgangswert bringt jeder Prozentpunkt Nachlass mehr als sonst irgendwo in Österreich.
Welcher Bereich für Sie gilt, steht auf Ihrer Rechnung
Die Zuordnung hängt an der Adresse. Ablesen können Sie sie an der Zählpunktnummer, die auf jeder Strom- und Netzrechnung steht: Nach dem Länderkürzel AT folgt die Kennung des Netzbetreibers, 006000 für vorarlberg netz und 006230 für die Energieversorgung Kleinwalsertal. Daneben lohnt der Blick auf die Zeilen des Netzblocks, denn dort steht, was tatsächlich verrechnet wurde:
- Netznutzungsentgelt, Arbeitspreis und Pauschale zusammen der größte Posten
- Netzverlustentgelt, in Vorarlberg 0,393 Cent je Kilowattstunde und damit 13,76 Euro im Jahr
- Entgelt für Messleistungen, ein Höchstpreis, den Ihr Netzbetreiber unterschreiten darf
- Elektrizitätsabgabe und Umsatzsteuer, die im selben Block stehen, aber keine Netzkosten sind
Wie diese Zeilen mit dem Energiepreis zusammenspielen, steht unter Stromrechnung prüfen, die Grundlagen zu allen Netzbereichen unter Netzkosten senken.
144 Energiegemeinschaften, die hier anders rechnen als im Rest des Landes
Nach Daten des Energieinstituts Vorarlberg gab es im April 2026 im Land 144 Energiegemeinschaften, doppelt so viele wie Ende 2024; im Sommer 2023 waren elf registriert. Ein bekanntes Beispiel ist die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft Vorderwald, die unter dem Namen Wälderstrom läuft. Sie begann im Jänner 2022 als Pilotprojekt dreier Gemeinden, umfasst inzwischen alle neun Vorderwälder Gemeinden und steht seit Februar 2025 allen offen, deren Zählpunkt im Netzgebiet des Umspannwerks Vorderwald liegt.
Beim Netzentgelt fällt der Nachlass in Vorarlberg allerdings kleiner aus als anderswo, und das sollte man wissen, bevor man beitritt. Die 57 Prozent im Lokalbereich senken den Arbeitspreis von 4,96 auf 2,13 Cent, das sind 2,83 Cent je zugeordneter Kilowattstunde. In Kärnten wären es bei 9,67 Cent Ausgangswert 5,51 Cent. Im Kleinwalsertal dagegen sinkt der Arbeitspreis von 17,73 auf 7,62 Cent, also um 10,11 Cent je Kilowattstunde. Dort ist die Energiegemeinschaft der mit Abstand stärkste Hebel, den ein Haushalt überhaupt hat.
Der zweite Grund für einen Beitritt liegt ohnehin nicht beim Netz, sondern beim Preis der Energie selbst und beim Tarif für eigenen Überschussstrom. Den Rahmen dafür finden Sie unter Stromkosten senken und unter Fixkosten senken ohne Anbieterwechsel.
Was Land und Bund 2026 dazuzahlen
Das Land Vorarlberg zahlt bis zu 7.500 Euro, wenn eine Energiegemeinschaft mit Bürgerbeteiligung gegründet oder eine bestehende für Bürgerinnen und Bürger geöffnet wird. Zuständig ist die Abteilung Allgemeine Wirtschaftsangelegenheiten des Landes, erreichbar unter energie@vorarlberg.at. Für 2026 setzt das Land zwei eigene Schwerpunkte: Photovoltaik auf versiegelten Flächen über 20 kWp und Bürgerbeteiligung samt Energiegemeinschaften.
Vom Bund gab es heuer eine Ausschreibung des Klima- und Energiefonds für bereits aktive Energiegemeinschaften, mit 50 Prozent Förderquote und höchstens 20.000 Euro netto je Gemeinschaft. Eingereicht werden konnte von 20. Jänner bis 16. Juli 2026. Diese Frist ist abgelaufen, und ob eine neue Runde kommt, ist derzeit nicht bekannt. Wer eine Gemeinschaft gründet, sollte das im Auge behalten, statt die Förderung fix einzuplanen.
Der günstigste Anschluss des Landes: 167 Euro je Kilowatt
Dazu kommt ein einmaliger Betrag, das Netzbereitstellungsentgelt. Vorarlberg verrechnet 167,00 Euro je Kilowatt vereinbarter Anschlussleistung und liegt damit unter allen dreizehn Netzbereichen am niedrigsten; in Salzburg sind es 293,63 Euro, also 76 Prozent mehr. Wer wegen einer Wärmepumpe oder einer Wallbox von 8 auf 14 Kilowatt aufstockt, zahlt für die zusätzlichen sechs Kilowatt 1.002,00 Euro, dazu das Netzzutrittsentgelt für die tatsächlichen Herstellungskosten. Im Kleinwalsertal liegt dieser Posten mit 166,74 Euro sogar noch etwas darunter, was die laufenden 17,73 Cent freilich nicht aufwiegt.