Null Cent für die Netzverluste, und trotzdem Platz 9 von 13
Das Burgenland ist der einzige Netzbereich Österreichs, in dem für das Netzverlustentgelt 0,000 Cent je Kilowattstunde verrechnet werden. In Wien sind es 0,700 Cent, in Graz 0,658. Ein burgenländischer Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden zahlt für diese Zeile also null Euro, während in Wien 24,50 Euro dafür anfallen.
Trotzdem liegt das Burgenland mit 378,90 Euro Netzkosten im Jahr auf Platz 9 von 13 Netzbereichen. Der Grund steht eine Zeile darüber: Der Arbeitspreis für die Netznutzung ist mit 8,46 Cent je Kilowattstunde der vierthöchste dieser dreizehn, nur Kärnten, die Steiermark und Niederösterreich verlangen mehr. Wien kommt mit 6,98 Cent aus und landet trotz des höchsten Netzverlustentgelts bei 348,96 Euro, also 29,94 Euro darunter.
Wer nur liest, im Burgenland würden keine Netzverluste verrechnet, hat eine richtige Zahl erwischt und den falschen Schluss gezogen: Für die Rechnung zählt die Summe aus vier Positionen und nicht die auffälligste davon.
Was sich zum 1. Jänner 2026 geändert hat
Auf dem Preisblatt der Netz Burgenland für 2025 standen für die Netzebene 7 ohne Leistungsmessung 7,26 Cent Arbeitspreis und 48,00 Euro Grundpreis. Seit 1. Jänner 2026 sind es 8,46 Cent und 54,00 Euro. Das Netzverlustentgelt war schon davor null, das Messentgelt liegt weiter bei 2,40 Euro im Monat und damit am Höchstwert der Verordnung.
Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden ergibt das 42,00 Euro mehr aus dem Arbeitspreis und 6,00 Euro mehr aus dem Grundpreis, zusammen 48,00 Euro netto im Jahr. Mit 20 Prozent Umsatzsteuer sind es 57,60 Euro.
Die E-Control weist für den Netzbereich Burgenland einen Anstieg von 15,9 Prozent aus, bei einem österreichweiten Schnitt von 1,3 Prozent. Die Arbeiterkammer Burgenland hat die Erhöhung kritisiert und nennt 58,44 Euro Mehrkosten im Jahr bei 3.500 Kilowattstunden. Das ist eine eigene Berechnung der AK, die sich mit unserer nicht vermengen lässt, weil daraus nicht hervorgeht, welche Positionen und Steuern sie enthält.
Als Begründung nennt die E-Control die Aufwände, die ihr die Netzbetreiber für Ausbau, Wartung und Betrieb melden. Die Burgenland Energie verwies im Oktober 2025 auf 134 Millionen Euro, die im Jahr davor in die Netzsicherheit geflossen sind. Das Burgenland ist bei der Windkraft seit Langem vorne, und ein Netz, das viel Einspeisung aufnehmen soll, braucht mehr Leitungen und Umspanner. Die Regulierungsbehörde schreibt den Anstieg allerdings nicht Wind- oder Photovoltaikanlagen zu, und wir tun das hier auch nicht. Belegbar ist der Mengeneffekt: Anerkannte Kosten werden auf die Zählpunkte eines Netzgebiets umgelegt, und wo viel investiert und auf wenige verteilt wird, schlägt das je Anschluss stärker durch.
Der Anstieg trifft im Netzgebiet alle gleich, weil das Entgelt verordnet ist. Der Arbeitspreis ist die einzige der vier Positionen, die über den Sommer-Nieder-Tarif und über eine Energiegemeinschaft sinken kann, und beides hängt an einer Freischaltung beim Netzbetreiber.
Ein Netzgebiet, ein Preis, vier Zeilen zum Nachrechnen
Die Netz Burgenland GmbH betreibt nach eigenen Angaben rund 9.800 Kilometer Stromleitungen und 3.200 Kilometer Gasleitungen und versorgt etwa 215.000 Strom- und Gaskunden. Das Netzgebiet endet nicht exakt an der Landesgrenze. Im Zweifel hilft die Zählpunktnummer auf der Rechnung: Im Gebiet der Netz Burgenland beginnt sie mit AT009000.
Halten Sie auf Ihrer Jahresabrechnung vier Zeilen gegen die Verordnung:
- Arbeitspreis Netznutzung, 8,46 Cent je Kilowattstunde
- Grundpreis, 54,00 Euro im Jahr und nicht mehr 48,00
- Netzverlustentgelt, null. Steht dort ein Betrag, gehört er hinterfragt
- Entgelt für Messleistungen, 2,40 Euro im Monat bei Drehstrom, mehr darf es nach der Verordnung nicht sein
Eine Abrechnung, die über den Jahreswechsel läuft, muss die Monate davor mit den alten Ansätzen und die Monate danach mit den neuen rechnen. Dort zahlt sich ein zweiter Blick heuer am ehesten aus. Wie so eine Durchsicht abläuft, steht auf Stromrechnung prüfen.
Warum eine Energiegemeinschaft im Burgenland mehr wert ist als in Vorarlberg
Der Rabatt nach § 5 Abs. 1a der Verordnung ist prozentuell und österreichweit gleich hoch. Weil das Burgenland von einem hohen Arbeitspreis ausgeht, ist derselbe Prozentsatz hier mehr Geld wert: Aus 8,46 Cent werden im Lokalbereich 3,64 Cent, die Ersparnis beträgt 4,82 Cent je Kilowattstunde. In Vorarlberg, wo der Arbeitspreis bei 4,96 Cent liegt, bleiben von derselben Regel 2,83 Cent übrig.
Ein Rechenbeispiel: Deckt eine Gemeinschaft knapp ein Drittel Ihres Jahresverbrauchs von 3.500 Kilowattstunden ab, also rund 1.150 Kilowattstunden, sind das etwa 55 Euro im Jahr beim Netzentgelt. Ob dieser Anteil erreicht wird, hängt an der Anlage und an Ihrem Verbrauchsverhalten, versprechen lässt sich das niemandem.
Beim Aufbau solcher Gemeinschaften ist das Burgenland weiter als der Rest Österreichs: Über das Raiffeisen-Netzwerk bestehen rund zwanzig regionale Genossenschaften, die zusammen nahezu die ganze Landesfläche abdecken, darunter die EG Region Eisenstadt und die EG Region Güssing. Die erste Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft des Landes gründeten 2022 fünf südburgenländische Gemeinden rund um Stegersbach als Verein.
Am praktischsten ist die EEG-Nahbereichsabfrage der Netz Burgenland, als Formular oder als Karte: Mit Ihrer Zählpunktnummer sehen Sie, ob eine Anlage in Ihrem Lokal- oder Regionalbereich liegt. Danach folgen die Registrierung als Marktteilnehmer auf ebutilities.at, der Vertrag mit dem Netzbetreiber und die Freischaltung im EDA-Portal. Alle neun Schritte stehen auf der Website der Netz Burgenland, machbar ist das also allein. Wir nehmen es Ihnen ab, wenn Sie lieber nur unterschreiben.
Gas und Heizkosten, was 2026 noch dazukommt
Beim Gas fällt der Sprung deutlicher aus: Die Netzentgelte steigen im Burgenland zum 1. Jänner 2026 um 25 Prozent, österreichweit sind es im Schnitt 18,2 Prozent. Die Arbeiterkammer rechnet für einen Gashaushalt mit rund 100 Euro Mehrkosten im Jahr. Wer beides bezieht, nimmt die Gasrechnung am besten gleich mit, weil dafür eine eigene Verordnung mit eigenen Zonen gilt; was dabei zu holen ist, steht auf Gaskosten senken.
Auf Landesebene gibt es heuer den Wärmepreisdeckel. Er gilt für Haushalte mit Hauptwohnsitz im Land und einer Bemessungsgrundlage bis 43.000 Euro, die Förderhöhe liegt zwischen 50 und 1.000 Euro und deckt nach Angabe des Landes alle Heizarten und Energieanbieter ab. Anträge nimmt das Amt der Burgenländischen Landesregierung von 1. April bis 31. Dezember 2026 entgegen. Mit der Stromnetzrechnung hat er nichts zu tun, in dieselbe Aufstellung gehört er trotzdem, wenn Sie Ihre Fixkosten ohne Anbieterwechsel durchgehen.