Die stärkste Senkung Österreichs, und trotzdem nur Platz 5
Mit 1. Jänner 2026 hat die Regulierungskommission der E-Control die Netzentgelte neu verordnet. Für Haushalte steigen sie österreichweit im Schnitt um 1,3 Prozent. Salzburg fällt aus dieser Reihe heraus: Hier gehen die Netzkosten um rund neun Prozent zurück, während sie im Burgenland um 15,9 Prozent, in Tirol um 10,9 Prozent und in Niederösterreich um 6,9 Prozent steigen. Wolfgang Urbantschitsch von der E-Control begründet das mit der Stabilisierung des Stromverbrauchs und mit zusätzlichen Erlösen, etwa aus dem grenzüberschreitenden Stromtransit.
Die Salzburg Netz GmbH wird in ihrer Kundeninformation zum 1. Jänner 2026 genauer und beziffert den Rückgang bei der Summe aus Netznutzungs- und Netzverlustentgelt mit 3,5 bis 16,2 Prozent, je nach Netzebene. Für Haushalte auf der Netzebene 7 landet der Arbeitspreis damit bei 6,59 Cent je Kilowattstunde.
Eine Senkung ist deshalb noch keine Gutschrift. Mit 325,95 Euro im Jahr liegt Salzburg auf Platz 5 von dreizehn Netzbereichen, 21,09 Euro unter dem österreichischen Mittel und 65,39 Euro über Vorarlberg, dem günstigsten Netzgebiet des Landes. Wer den Rückgang tatsächlich am Konto sehen will, muss den Akonto-Betrag anpassen lassen; sonst läuft der alte Teilbetrag weiter und der Unterschied taucht erst bei der Jahresabrechnung auf.
293,63 Euro je Kilowatt: der teuerste Anschluss des Landes
Beim laufenden Entgelt sitzt Salzburg im guten Mittelfeld. Bei einer einzelnen Position steht das Bundesland aber an der Spitze aller Netzbereiche, und zwar beim Netzbereitstellungsentgelt. Das ist der einmalige Betrag, der beim erstmaligen Anschluss an das Netz und bei jeder Erhöhung der vereinbarten Anschlussleistung fällig wird. Salzburg verrechnet dafür 293,63 Euro je Kilowatt. Klagenfurt folgt mit 265,33 Euro, Wien liegt bei 235,47 Euro, Vorarlberg bei 167,00 Euro.
Spürbar wird das bei Neubau, Wärmepumpe und Wallbox. Wer von 8 auf 14 Kilowatt aufstockt, zahlt für die sechs zusätzlichen Kilowatt 1.761,78 Euro, einmalig und zusätzlich zum Netzzutrittsentgelt, das die tatsächlichen Herstellungskosten abdeckt. Dieselben sechs Kilowatt kosten in Vorarlberg 1.002,00 Euro. Bevor Sie eine Erhöhung beantragen, lohnt sich die Frage, ob die vorhandene Leistung wirklich zu knapp ist. Ob sich die Ladeleistung einer Wallbox so steuern lässt, dass die bestehende Anschlussleistung ausreicht, hängt an Ihrer Installation und gehört mit dem Elektrounternehmen und dem Netzbetreiber besprochen. Was dabei zu bedenken ist, steht im Ratgeber zu Wärmepumpe, Wallbox und Netzkosten.
Die vereinbarte Anschlussleistung ist die einzige Zahl im Netzvertrag, über die Sie selbst entscheiden. Die Preisansätze verordnet die E-Control, über die Zahl der Kilowatt entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Elektrounternehmen. In Salzburg kostet jedes zusätzliche Kilowatt einmalig 293,63 Euro, weshalb sich vor dem Antrag eine ehrliche Rechnung auszahlt, wie viel Leistung im Haus tatsächlich gleichzeitig gebraucht wird.
Ein Netzbereich, aber nicht nur ein Netzbetreiber
Für das ganze Bundesland kennt die Verordnung nur einen einzigen Netzbereich, den Bereich Salzburg. Abgerechnet wird er von der Salzburg Netz GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Salzburg AG, die 2005 gegründet wurde und ihre operative Tätigkeit mit 1. Jänner 2006 aufgenommen hat. Ihr Niederspannungsnetz ist nach eigener Angabe rund 13.300 Kilometer lang, läuft über etwa 5.200 Trafostationen und versorgt rund 140.000 Netzanschlüsse mit 440.000 Zählpunkten.
Das Konzessionsgebiet deckt allerdings nicht ganz alles ab. Die Salzburg Netz nimmt selbst drei Gebiete aus: Bereiche im Großarltal, in Hofgastein und in Neukirchen am Großvenediger. Dort rechnen kleine örtliche Netzbetreiber ab, etwa das Elektrizitätswerk Bad Hofgastein oder die Lichtgenossenschaft Neukirchen. Welchem Netzbereich diese Zählpunkte zugeordnet sind, ergibt sich aus der Zuordnung der Netzbetreiber durch die E-Control und nicht aus der Gemeindegrenze. Nachsehen lässt sich das auf der eigenen Abrechnung, auf der Netzbetreiber und Netzbereich ausgewiesen sein müssen. Wenn Sie unsicher sind, sehen wir uns das bei der Prüfung Ihrer Stromrechnung gemeinsam an.
Was heuer sonst noch billiger geworden ist
Die Netzentgelte sind nur ein Teil dessen, was sich mit Jahresbeginn geändert hat. Die Salzburg Netz weist in derselben Kundeninformation aus, dass die Elektrizitätsabgabe für natürliche Personen mit Haushaltslastprofil von einheitlich 1,5 Cent je Kilowattstunde auf 0,1 Cent gesenkt wurde, dass die Gebrauchsabgabe auf jeder Netzebene um 11 Prozent zurückgeht und dass die Erneuerbaren-Förderbeiträge je nach Netzebene und Komponente um 19 bis 50 Prozent gesenkt wurden. Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden ergibt das nach Rechnung des Netzbetreibers zusammen rund 105 Euro brutto weniger im Jahr.
Diese Zahl umfasst Netzentgelte, Elektrizitätsabgabe und Gebrauchsabgabe gemeinsam und ist ein Durchschnittswert. Stammt Ihr monatlicher Teilbetrag noch aus dem Vorjahr, zahlen Sie vorerst weiter zu viel und bekommen die Differenz erst später als Gutschrift oder über einen korrigierten Erlagschein zurück. Wie sich dieser Weg für alle laufenden Kosten gleichzeitig gehen lässt, steht unter Fixkosten senken ohne Anbieterwechsel, und was auf der Stromseite dazukommt, unter Stromkosten senken.
1.267 laufende Energiegemeinschaften, und was eine davon bringt
Bei Energiegemeinschaften ist Salzburg weit vorne. Das Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen, das im Auftrag des Landes kostenlos dazu berät, zählt mit Stand März 2026 knapp 400 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften in Betrieb und 732 gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen. Rechnet man die Bürgerenergiegemeinschaften dazu, sind es 1.267 laufende Energiegemeinschaften mit über 19.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich das aussehen kann. Der Verein Energie Salzburg Süd tauscht seit Jänner 2024 Strom im Süden der Stadt Salzburg sowie in Elsbethen, Gaißau, Krispl und Wals ohne Siezenheim; mit Stand April 2026 sind 160 Erzeugungs- und Verbrauchszählpunkte dabei, die monatlich etwa 75.000 Kilowattstunden untereinander handeln. Die kommunale Energiegemeinschaft Salzburger Seenland läuft seit März 2024 über den bestehenden Regionalverband als Rechtsträger, sodass keine eigene Organisation gegründet werden musste; im Februar 2025 waren dort 17 Erzeuger und 52 Verbraucher beteiligt.
Für Ihre Rechnung zählt der Rabatt nach § 5 Abs. 1a der Verordnung. Im Lokalbereich, also im selben Niederspannungsstrang, sinkt der Arbeitspreis um 57 Prozent, in Salzburg von 6,59 auf 2,83 Cent je Kilowattstunde. Er gilt ausschließlich für jene Menge, die Ihnen aus der Gemeinschaft zugeordnet wird. Die Beratung beim SIR kostet nichts, viele Gemeinden und Vereine schaffen die Gründung aus eigener Kraft, und wer sich Formulare, Zuordnung und Abstimmung mit dem Netzbetreiber nicht antun will, übergibt uns die Sache. Wie ein Beitritt abläuft, steht im Ratgeber Energiegemeinschaft beitreten.